Therapieverfahren

Moderne Herzklappentherapie: Präzise, schonend und individuell abgestimmt

Im Klappenzentrum des UKGM Gießen stehen neben herzchirurgischen Therapieoptionen hochmoderne kathetergestützte (interventionelle) Verfahren im Zentrum. Sie ermöglichen die Reparatur oder den Ersatz erkrankter Herzklappen über kleinste Gefäßzugänge – ohne Eröffnung des Brustkorbs und ohne Herz-Lungen-Maschine.

Präzision & Sicherheit

Diagnostik und interdisziplinäre Beratung & Behandlung

Am universitären Standort Gießen setzen wir auf eine lückenlose Planung. Modernste 3D-Bildgebung und die gemeinsame Falldiskussion im Heart Team bilden das Fundament für sichere Behandlungsergebnisse.

1. Kardiale 3D-Bildgebung

Abhängig von der Klappenerkarnkung vermessen wir mittels Mittels EKG-getriggertem Klappen-CT und/oder 3D-Schluckecho Klappenring, Segellänge, Verkalkungsmuster und Gefäßzugänge millimetergenau.

2. Interdisziplinäres Heart Team

Kardiologen, Herzchirurgen und Kardioanästhesisten bewerten die Befunde gemeinsam. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit sichert eine unabhängige, ausgewogene Therapieempfehlung.

3. Eingriff im Hybrid-OP

Die Interventionen finden im hochmodernen Hybrid-Operationssaal statt – mit höchster Bildgebungsqualität und maximalen Sicherheitsstandards für alle Eventualitäten.

Verantwortungsvolle Medizin

Bedeutung der individuellen Indikationsstellung

Es gibt kein Standardverfahren, das für alle Patientinnen und Patienten gleichermaßen geeignet ist. Die Wahl der besten Therapie basiert auf einer sorgfältigen Abwägung von Anatomie, Begleiterkrankungen, Operationsrisiko und individuellen Lebensumständen.

1. Anatomische Eignung

Jede Klappe wird vorab mittels hochauflösender 3D-Echokardiographie und/oder CT vermessen. Nur wenn die anatomischen Voraussetzungen für eine sichere Prozedur mit einem guten Ergebnis erfüllt sind, wird ein kathetergestütztes Verfahren empfohlen.

2. Differenzierte Abwägung

Interventionelle und operative Verfahren stehen nicht in Konkurrenz, sondern ergänzen sich. Bei jüngeren Patienten oder bestimmten Anatomien kann ein herzchirurgischer Eingriff die nachhaltigere Option sein – dies prüfen wir objektiv im Heart Team.

3. Offene Aufklärung

Wir besprechen realistische Erwartungen, potenzielle Risiken und den individuellen Nutzen ausführlich mit Ihnen. Sie erhalten alle Informationen, um gemeinsam mit uns eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Interventionelle Verfahren

Moderne kathetergestützte Klappentherapien am UKGM

TAVI – Transkatheter-Aortenklappenimplantation

Therapieprinzip: Minimalinvasiver Ersatz der verkalkten Aortenklappe bei hochgradiger Stenose. Der Zugang erfolgt in der Regel über die Leistenarterie (transfemoral).

Ablauf des Eingriffs: Eine biologische Herzklappe, die auf einem feinen Metallgitter montiert ist, wird per Katheter bis in die verkalkte Aortenklappe vorgebracht und dort präzise entfaltet. Die erkrankte Klappe wird an die Gefäßwand gedrückt und fixiert die neue Klappe sicher im Verankerungsring.

Besonderheiten: Der Eingriff wird meist in lokaler Betäubung und leichter Sedierung durchgeführt. Eine Eröffnung des Brustkorbs oder der Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine ist nicht erforderlich, was eine rasche Erholung fördert.

Für wen geeignet? Besonders wertvoll für ältere Patientinnen und Patienten über 70 Jahren oder Patienten mit Begleiterkrankungen, für die eine offene Operation ein zu hohes Risiko darstellen würde.

Interventionelle Mitralklappentherapie (TEER / Clip-Verfahren)

Therapieprinzip: Transkatheter-Edge-to-Edge-Repair (TEER) zur Reduktion einer hochgradigen Mitralklappeninsuffizienz bei degenerativer oder funktioneller Ursache.

Ablauf des Eingriffs: Über die Leistenvene gelangt ein steuerbarer Führungskatheter in den rechten Vorhof und durch die Vorhofscheidewand in den linken Vorhof. Unter kontinuierlicher 3D-Ultraschallkontrolle (TEE) werden die undichten Klappensegel mit einem kleinen Spezial-Clip gefasst und mittig verbunden. Dadurch schließt die Klappe wieder deutlich dichter.

Besonderheiten: Der Eingriff erfolgt am schlagenden Herzen, in der Regel in Vollnarkose. Der Brustkorb wird nicht eröffnet, und eine Herz-Lungen-Maschine ist nicht nötig. Das Ergebnis wird noch während des Eingriffs im Ultraschall überprüft.

Für wen geeignet? Für Patientinnen und Patienten mit beschwerdeverursachender, hochgradiger Mitralklappeninsuffizienz, für die eine offene Operation ein zu hohes Risiko darstellt. Gründe dafür können eine eingeschränkte Herzleistung, ein höheres Alter oder relevante Begleiterkrankungen sein. Ob die Klappe für das Verfahren geeignet ist, wird vorab im Ultraschall geprüft.

Interventionelle Trikuspidalklappentherapie

Therapieprinzip: Minimalinvasive Rekonstruktion (z.B. Trikuspidal-TEER) oder kathetergestützter Klappenersatz bei schwerer Trikuspidalklappeninsuffizienz.

Ablauf des Eingriffs: Der Zugang erfolgt über die rechte Oberschenkelvene direkt in das rechte Herz. Die überdehnten Trikuspidalsegel werden kathetergestützt gerafft oder durch ein Implantat abgedichtet. In ausgewählten Fällen stehen auch moderne kathetergestützte Klappenersatzsysteme zur Verfügung.

Besonderheiten: Der Eingriff erfolgt am schlagenden Herzen, in der Regel in Vollnarkose. Der Brustkorb wird nicht eröffnet, und eine Herz-Lungen-Maschine ist nicht nötig. Das Ergebnis wird noch während des Eingriffs im Ultraschall überprüft.

Für wen geeignet? Für Patientinnen und Patienten mit beschwerdeverursachender, hochgradiger Trikuspidalklappeninsuffizienz, die trotz optimaler Medikamente bestehen bleibt und für die eine offene Operation ein zu hohes Risiko darstellt. Welches Verfahren infrage kommt, legt das Heart Team nach ausführlicher Bildgebung fest.

HERZCHIRURGISCHE THERAPIEOPTIONEN

Operative Verfahren – Wann ein chirurgischer Eingriff die bessere Wahl ist

Kathetergestützte Verfahren bieten heute herausragende, schonende Möglichkeiten. Dennoch ist nicht für jede Patientin und jeden Patienten ein Kathetereingriff die beste Wahl. Eine klassische oder minimalinvasive herzchirurgische Operation kann für den individuellen Patienten das sicherere und auch langlebigere Verfahren sein. Am UKGM Herzklappenzentrum arbeiten Kardiologie und Herzchirurgie unter einem Dach im interdisziplinären Heart Team zusammen, um objektiv die ideale Therapie für Sie festzulegen.

INDIKATIONEN & EIGNUNG

Wann eine Operation vorzuziehen ist

Ein herzchirurgisches Vorgehen ist leitliniengerecht insbesondere bei jüngeren Patientinnen und Patienten mit hoher Lebenserwartung vorzuziehen, bei denen eine Klappenrekonstruktion möglich ist oder eine mechanische Prothese dauerhafte Stabilität bietet.

SCHONENDE CHIRURGIE

Minimalinvasive & rekonstruktive Verfahren

Herzchirurgie am UKGM bedeutet modernste Präzisionsmedizin: Herzklappeneingriffe erfolgen heute überwiegend über schonende Minimalzugänge. Wann immer möglich, steht der Erhalt der patienteneigenen Klappe (Rekonstruktion) im Mittelpunkt.

GEMEINSAME EXPERTISE

Objektive Heart-Team-Entscheidung

Interventionelle Kardiologen und Herzchirurgen beraten jeden Tag gemeinsam in der interdisziplinären Klappenkonferenz. So erhalten Sie eine Empfehlung, die Ihre Anatomie, Vorerkrankungen und Lebensqualität gleichermaßen einbezieht.

Möchten Sie klären lassen, welches Verfahren für Sie optimal ist?

Unser interdisziplinäres Heart Team berät Sie gerne persönlich und fundiert zu allen interventionellen und chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten.